Liebe Surfer,
draußen tropfen die Städte und drinnen laufen die Plattenteller heiß. Egal was euch lieber ist, der heutige Plattenteller stellt euch 4 außergewöhnliche Musiker/ Bands vor. Zum einen die Berliner Elektroniker Tricus & Vitéz, welche sich erst kürzlich die Ehre gaben und auf der SLEAZE-Secret Party aufgelegt haben. Zum anderen die Festival-Stammgäste von Bonaparte, mit neuem Album am Start und derzeit wiedermal unterwegs auf allen deutschen Bühne- allen. Außerdem bewegen wir uns noch auf die Insel. Mit Betty and the Werewolves stellen wir euch eine ordentliche Punkpop-Kapelle vor, die sicherlich auf der ein oder anderen Indie-Disko in Zukunft häufiger zu hören sein werden. Abschließend würzen wir unseren Plattenteller mit dem neusten Wurf des Bombay Bicycle Clubs. Eine ganze Portion Musik, die bei diesen Temperaturen mehr als satt machen dürfte. Rein damit!
Betty and the Werewolves – Teatime Favourites
VÖ: 02.07.2010
Damaged Goods Records (UK)
Punk-Pop
Es ist Zeit für Tee. Der steht dampfend auf dem Tisch. Zucker und Milch warten gespannt. Und dann kommt Betty und setzt uns mit ihren Werwölfen 14 kleine Leckereien vor. So lässt es sich beschreiben, wenn man die Platte einschmeißt und laut aufdreht. Das ist manchmal ein bisschen mehr Pop als Punk, insgesamt aber überraschend beflügelnd für Tanzbein und Kehle. Schnelle Rhythmuswechsel, gitarrenlastige Soli und stakkatoartiger Gesang sind das Punkaushängeschild der Band, die klaren Stimmen von Laura McMahon, Helen Short und Emily Bennet wissen allerdings auch die ein oder andere Ballade ins Mikrofon zu hauchen. Das Album wirkt für einen Erstling erstaunlicherweise sehr durchdacht und komplett, wartet nur darauf, mal live von der Bühne geschmettert zu werden. Gigs in Deutschland stehen noch nicht fest. Sollte es dazu kommen, seien euch Betty and the Werewolves wärmstens an Herz gelegt. Zu guter Letzt, um der Gleichberechtigung der Bandmitglieder nachzukommen, Drummer und einziges männliches Bandmitglied ist Doug McFarlane. Sozusagen das Alpha-Männchen im Rudel.
-Julian-
Bonaparte – My Horse Likes You
V: 04.06.2010
Staatsakt / Roughtrade
Zirkuselektro-Punk-Indierock
Zu diesem Album gibt es nur ein Wort zu sagen: Danke. Was der kaiserliche Wanderzirkus um Bonaparte auf ihrem nunmehr zweiten Album „My horse likes you“ zusammengepresst hat, ließ alle Erwartungen wie einen Kindergeburtstag neben einer Playboy-Mansion-Party zusammenschmelzen. Das ist große Klasse, das ist Bonaparte auf Tonträger wie man sie auf der Bühne kennen und lieben gelernt hat. Das entschädigt für eine lange, zweijährige Albumpause, die aus Tour, Tour, Tour und nochmal Tour bestand. Jeder Track ein Tanzflächen-Kracher, wie schon auf „Too Much“ keine Zeit für lange Pausen, Geschwafel und Pseudo-Geplänkel. Bonaparte will eins: die nächsten zwei Jahre alles kaputt machen was man Bühne nennt. Gut so. Gern so. Passt so. Absolut anspielen: „My horse likes you“, „Computer Love“, Boycott everything“, Fly a plane into me” und “Wir sind keine Menschen”.
Und unbedingt hier live sehen: MELT! – 16.07. Sonnenrot Festival – 17.07. Open Source – 07.08. -Julian-
Bombay Bicycle Club – Flaws
V: 16.07.2010
Universal
Acoustic-Indie
Kurz vorweg: Liebhaber, Kenner, Supporter und Fans der Band dürfen diese Rezension natürlich gern lesen, doch bitte erst nachdem sie „Flaws“ gekauft haben. Das Album lässt keine Wünsche offen. Es ist ein komplettes Akustikalbum. Es ist leiser, stiller als der Vorgänger und doch mit einem unglaublichen Druck und einer so schweren und vollen Stimmung, dass es nicht leicht fällt zu glauben, die Band habe wirklich zwischen Tour und Promo zum Erstling „I had the blues but I shook them loose“ daran gearbeitet. Inspiriert durch amerikanische Folkgrößen wie Neil Young, Harry Smith oder John Martyn (auf dem Album gecovert: „Fairytale Lullaby“) kommt die Band zur Ruhe ohne an Kraft zu verlieren. Die Songs bestechen durch ihre effektvollen Arrangements von Pausen, zerbrechlich-intensiven Textzeilen und einer instrumentalen Stimmung, dass einem der Atem stockt. Songs wie „Ivy and Gold“ oder das neu eingespielte „Dust on the Ground“ zeigen die volle Vielfalt, welche Jack Steadman mit seinen alten Schulfreunden auf die Bühne bringen kann. Vom Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt – selbst das wird dem Gefühl nicht gerecht, welches „Flaws“ in einem hinterlässt. Dieses Akustik-Album knüpft an die grandiose Debütplatte an, und zeigt wohin der Weg noch gehen kann. Der Bombay Bicycle Club verharrt nicht in Überlebenspose und schmeißt eine Platte auf den Markt, die der ersten auf die Pore gleicht, sondern probiert sich aus. Sicherlich ist der Umfang der Veränderung nicht gleichzusetzen mit dem Sprung beispielsweise der Artic Monkeys und ihrem letzten Album „Humbug“, und doch ist es gewagt, sich schon beim zweiten Album ein wenig umzuorientieren. Die Fanbase der Band wird’s ihnen danken. Zu sehen war das schon auf dem diesjährigen Glastonbury Festival, auf welchem die Band einen grandiosen Auftritt zeigte. In Deutschland beehren sie unter Anderem das Dockville Festival in Hamburg, eine Tour sollte wohl auch hier nicht lange auf sich warten lassen. Unbedingte Empfehlung.
-Julian-
Tricus & Vitéz
Internet: http://www.myspace.com/atibavitez
Ian Tricus und Atiba Vitéz, zwei Berliner Jungs die Techno machen. allerdings, wie manch einer bei dem mittlerweile recht vorbelasteten Begriff denken könnte, fernab von H.P. Baxter oder Marusha. Mit wiedererkennbarer Elektronischer Tanzmusik, schaffen es die beiden sich vom verkoksten House-Hype abzuheben.
Seit wann machst du/ ihr Musik?
Als Duo knapp zwei Jahre. Wir hatten vor Tricus&Vitéz noch ein anderes Projekt am laufen, was aber wegen musikalischer Weiterentwicklung dann aussetzen musste.
Ian Tricus ist seit etwa 14 Jahre schon im Musikgeschäft tätig. Ich ( Atiba Vitéz ) bin da noch ein Jüngling, 4 Jahre. Habe vorher schon viel elektronische Musik gehört, aber hatte leider nie das Geld und die Ambitionen selber Musik zu machen, was sich später dann änderte.
Wir haben beide eine lange Selbstfindungsphase gehabt, die über mehrere musikalische Richtungen lief, bis wir dann bei unserem jetzigen Projekt landeten, was sich in Richtung Techno/ House bewegt.
Aus welcher Ambition entstand das Musikmachen. Geld oder Leidenschaft?
Ganz klar die Leidenschaft. Selber Musik machen ist mit viel Spaß und Anstrengungen verbunden, aber es gibt nix besseres als Leute in Ekstase zu versetzen und gemeinsam Spaß zu haben. Klar der Faktor “Geld” spielt momentan auch eine Rolle, da wir unser Equipment aus unseren Gigs finanzieren, aber uns geht es weniger um Geldmacherei sondern wie schon gesagt, um Spaß, neue Leute kennenlernen und und und..
Ist es zum Minusgeschäft geworden oder könnt ihr davon auch die Ein-oder Andere Rechnungen begleichen?
Ich weiß noch wie wir im Sound & Drumland Berlin vor der Kasse standen, um uns eine externe Soundkarte zu kaufen. Wir haben glaube ich noch nie zuvor so tief in unseren Hosentaschen wühlen müssen – Geld beisammen und einen Rabatt bekommen und ab ging die Post. Um es auf den Punkt zu bringen: Schwerreich sind wir nicht, aber ab und an kann man schon mal was kleines abbezahlen.
Was macht eure Musik eurer Meinung nach anspruchsvoll, beziehungsweise findet ihr euch anspruchsvoll?
Anspruchsvoll, klar jeder stellt Ansprüche. Songs können Low Budget produziert sein und dich dennoch vom Hocker reißen. Wir versuchen immer Qualität in unsere Tracks zu packen, aber es geht immer noch ein bisschen besser. So kann es vorkommen, dass wir einen Song basteln, ihn super finden und nach zwei Tagen beim wieder anhören feststellen: „is ja doch nich so dufte.“
Dennoch stellen wir an uns hohe Ansprüche, um unsere Freunde’/ Fans/ Gäste nicht zu enttäuschen.
In einer Band hat jeder eine klar definierte Aufgabe sei es am Schlagzeug, Gitarreoder der Gesang wie läuft das bei euch? Setzt das Kompromissbereitschaft voraus oder hackt ihr euch die Köpfe ein ab und zu?
Bei uns gibt es während des Musikmachen‘s so gut wie keine unterschiedlichen Aufgaben. Wir spielen unsere Tracks immer nach Gefühl. Was passt jetzt, was spiel ich nach dem Song des anderen oder was mix‘‘q ich jetzt. Das ist immer unser eigenes Denken. Klar ab und an sagt einer dem anderen was er spielen könne, das wird entweder bejaht oder beneint und gut ist. Wenn wir aber produzieren, dann fließen viele Ideen von Ian ein, er ist da immer bisschen “eigen”. Ich kümmer‘ mich viel ums Booking, Presse, etc. Zusammen fusionieren ist bei so einem Projekt sehr wichtig. Sonst geht man ganz schnell seine eigenen Wege.
Unternehmt ihr etwas um berühmt zu werden oder lasst ihr laufen?
Nein. Berühmt werden kann schon schön sein, aber das ist nicht Sinn und Zweck dieser Geschichte. Soll alles laufen, wir freuen uns natürlich immer gepusht zu werden. Wir arbeiten momentan sehr eng mit Riotvan aus Leipzig zusammen, die das „Don’t Believe The Hype“ Festival betreuen, was jedes Jahr Leipzig in einen musikalischen Supergau verwandelt. Zudem haben Riotvan Künstler unter ihrer Fittiche wie “Gregor” und ”Good Guy Mikesh &Filburt” die in Zukunft auch noch ordentlich von sich hören lassen werden. Neben unseren Freunden aus Leipzig gibt es noch großen Support von unserer Booking Agentur “AWESOME AGENCY” aus Berlin. Ich denke, dass wir mit viel Ehrgeiz und Spaß noch einiges bringen werden. Man darf also gespannt sein.






















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